Pilzfaszination “Können Pilze Heimat bieten?“

In den Zeiten schleichender Naturentfremdung gibt es dennoch immer wieder Inseln, auf denen sich Ansammlungen von Menschen wiederfinden, die sich nach der Natur und dem Wald sehnen oder ihr Interesse anderen Themen widmen. Sie gehen durch den Wald und suchen etwas, teilen ihre Erfahrungen oft auch in den sozialen Netzwerken mit anderen und wirken dabei geerdet und zufrieden.

Die Welt der Pilze scheint bei vielen Menschen eine große Faszination auszulösen. Wie bei vielen Hobbys gibt es allerlei Utensilien mit denen sich das Heim dekorieren lässt. Typisch scheint hier der Fliegenpilz, wobei dieser darüber hinaus die Symbolik des Glücksbringers, wie bei der des Kleeblatts oder des Schornsteinfegers impliziert. 

Pilzen werden zudem bestimmte Charakteristika zugeschrieben, der Pilz als mystisches Wesen, der Pilz als Heilsbringer oder konträr hierzu der Pilz als Heimsuchung durch den Teufel in Form des Antoniusfeuers, dem nur der Heilige Antonius entgegenwirken kann. 

In den Comics von Hergé schaffte es der Künstler durch seine exakten Recherchen die Länder, in denen Tim und Struppi ihre Abenteuer bestehen, präzise zu veranschaulichen. Diese Stilart verlässt er selten und falls doch, lässt er den Leser deutlich erkennen, dass einer der Protagonisten des Comics träumt und so in eine Fantasiewelt abgetaucht wird. In “Der geheimnisvolle Stern“ ist dies anders, dem Rezipienten fällt es schwer die Realität zu erkennen, denn diese gleicht mehr einem Alptraum als Tim auf dem Meteoriten landet. Die Flora und Fauna neigt dort zu einigen Kuriositäten wie den überdimensionierten Äpfeln oder dem Riesenschmetterling, der nicht nur aufgrund seiner Größe einem Flugsaurier ähnelt und dazu kommen nun noch die Pilze. Hier weicht Hergé ganz von seiner exakten Darstellungsweise der Dinge ab, indem er verschiedene Merkmale von Pilzgattungen vermischt. Erinnert die Form und der Stiel noch einem Röhrling, wie etwa dem Steinpilz, gleicht die rot-weiße Hutfarbe dem Fliegenpilz. Das Muster ist allerdings so verschwommen wie die Wolken in van Goghs “Sternennacht“. Hierzu gesellt sich das nächste Phänomen, das der Stäublinge, die einen “Puff-Effekt“ haben und die Pilze auf dem Meteoriten explodieren ganz nach diesem Schema. Sind für Hergé Pilze somit nichts anderes als merkwürdige Wesen, die er nicht einzuordnen vermag oder möchte oder einfach nur ein deales Stilmittel zur Verwunderung des Publikums.

Schon die Maya verehrten Pilze, meist psilocybinhaltige, als Transmitter zur Herstellung einer Götterverbindung. In der Moche-Kultur (Peru) finden sich Skulpturen von Schamanen, die einen Pilzhut tragen. Vielleicht gilt hier eine analoge Symbolik. Es wirkt als ob dem Schamanen die Pilze aus dem Kopf wachsen, als seinem Geist entsprungen und bereit zur Aufnahme neuer Botschaften. 

Unumstritten ist die Verwendung von Pilzen als Heil- und Vitalpilze in der Medizin. Der Birkenporling hat nicht nur schon Ötzi gegen Probleme des Verdauungstrakts geholfen  und in der Traditionellen Chinesischen Medizin sind Pilze ein fester Bestandteil. Der Reishi-Pilz (Pilz der 10000 Jahre, Pilz des Lebens) bspw. steht auf einer Stufe mit dem Ginseng.

Ohne das Penicillin G wären übrigens etliche Menschen gestorben und dieses Antibiotikum wird von einem Schimmelpilz gebildet.

Es gibt sogar Kulturen die tendenziell mykophob sind. Die Kanarios (Bewohner der Kanarischen Inseln) lassen beispielsweise Pilze meist stehen, so dass die Pilze dort in der regionalen Küche nur wenig Beachtung finden. Doch Pilze scheinen auch teilweise Menschen zu verängstigen, die Pilze grundsätzlich mögen. In einem Klassiker von Ottfried Preußler “Neues vom Räuber Hotzenplotz“. Genießt eben jener noch die von der Oma zubereitete Schwammerlsuppe, lässt sich Hotzenplotz nachdem er die Suppe gelöffelt hat von der Behauptung, dass sich in der Suppe Knallpilze, die zum Platzen des Bauches führen können, in Panik versetzen. Er kann nicht mehr klar denken und folgt dem Rat seiner drei Gefangen sich einen Strick um den Bauch zu binden, so dass er schließlich gefesselt und verhaftet wird. Analog hierzu seien die Pilzvergiftungen erwähnt, die reine Phantomvergiftungen sind. Es wurden gute Speisepilze gegessen und eine Person am Tisch bemerkt plötzlich ein Bauchgrimmen in seinem Innern. Dies erweitert sich in der Runde und durch die Panik haben auf einmal alle eine (eingebildete) Pilzvergiftung. Unterschieden werden muss hier vom Begriff der unechten Pilzvergiftung, die eine richtige Pilzvergiftung ist, basierend auf dem Verzehr verdorbener Speisepilze.

Doch neben all diesen Mensch-Pilz Beziehungen scheint noch eine Metaebene zu existieren, die eine Kohärenz aller genannten Beschreibungen inkludiert.

 

In diesem Artikel wurden Attribuierungen bei Pilzen beschrieben, doch Zuschreibungen von Eigenschaften sind eigentlich nur bei Menschen möglich. Und hier öffnet sich das Feld der anthropologischen Ebene, in der augenscheinlich unsere innige Verbindung zu den Pilzen liegt, ähnlich einer Tierverbundenheit.

Im Rahmen des Schulunterrichts wurde eine kurze Unterrichtseinheit über Pilze durchgeführt. Darüber hinaus fand ein Theaterbesuch in dem es über die “Olchis“ ging, statt. Mehrere Kinder wählten im Kunstunterricht, bei denen ein Pilzmotiv frei zu gestalten war, diese Olchis aus und zeichneten sie unter die Pilze. Es sah so aus, als ob sich diese Wesen zum Schutz oder vielleicht auch zum Unterhalten mit den Pilzen unter jene gestellt hatten. Auffällig war, das die Pilze Gesichter hatten. Andere Kinder malten sich sogar selbst neben die Pilze. Entschieden sich somit für eine ähnliche Gestaltungsweise. 

Die Kinderserie “Die Schlümpfe“ geht darüber noch hinaus. Die Schlümpfe leben in Pilzhäusern, diese sind wohnlich eingerichtet und es gibt sie sogar als Spielzeug für Kinder zu kaufen. In einem Lied geht es über das Wohnen im Schlumpfenhaus. “Mein Kamin hält alles warm, weißer Rauch steigt aus dem Dach“, heißt es darin. Berthold Brecht schreibt in seinem Gedicht “Der Rauch“ u.a. “Vom Dach steigt Rauch, fehlte er, wie trostlos wären dann Haus, Bäume und See“. Er steigert das Vorhandensein des Rauchs als Behaglichkeitsgütesiegel, indem er sogar die Natur ohne dessen Qualmen herab stuft. Ein Haus ist nach dem Lied und dem Gedicht demnach warm und behaglich, wenn es bewohnt ist, und die Natur kann darüber hinaus nach BRECHT nur schön sein, wenn der Mensch in ihr existent ist, wenn er sie berührt. Es gibt natürlich auch keine unberührte Natur, die ein Mensch betrachten kann, da er sie schon beim Betrachten angreift.

 

Pilze in Darstellungen als Häuser, die bewohnt sind und aus denen Rauch aufsteigt und die teilweise sogar Gesichter haben sind nicht das Einzige, was eine enge Verbindung zum Menschen birgt.

In einem alten Märchen von A. Schrödter “ Das Märchen von den Pilzen“ sind es winzige Männlein, die Pilze erschaffen und mit schönen Farben bemalen. Es sind die Lieblingsplätze dieser Männlein und scheinen ihnen etwas zu geben. Bei der Volksweise “Ein Männlein steht im Walde“ denken viele an den Fliegenpilz, obwohl der Protagonist die Hagebutte ist.

 

Pilze mit Gesicht lassen sich häufig als Kunstmotiv, in Geschichten oder auch  in Comics finden. Sie sprechen dabei sogar und vielleicht ist auch die Form ein Grund dafür. Sprechende Bäume, die in der Form den Pilzen ähneln, sind wiederum oft anzutreffen.

Katrin Prior wählt in ihren Bildern ebenfalls Menschen, die mit dem Pilz zu verschmelzen scheinen und das Buch von Evelyn Filep “Verrückte Pilze“ überträgt menschliche Eigenheiten in die Welt der Pilze. Da sind z.B. Typen wie der Schwafelnde Laberling, der Intrigante Schleimling, und der Wies’n-Champignon. Ein weiteres Indiz für eine Beziehung des Menschen zu den Pilzen.

 

Ob sie nun vermenschlicht oder als Haussymbolik eingesetzt werden, die ein Heimatgefühl auszudrücken vermag, Pilze sind vielen in unserer Kultur sehr nah und Attribuierungen omnipräsent . Diese Verbindung zu den Pilzen und zur Natur muss aber oft erst wieder freigelegt werden.

Beim Pilzsuchen im Wald kam es einmal zu einem Gespräch mit einem älteren Mann, der nach Pilzen suchte. Es stellte sich heraus, dass dieser aus der Ukraine kam und vor zehn Jahren nach Deutschland ausgewandert war. Auf der Frage nach seinem Fund (der genauen Bezeichnung), zuckte er nur mit den Schultern und meinte, dass es kleine Braunpilze seien, die er gesammelt hätte. Diese würde er schon aus seiner Heimat kennen, meinte er dazu und in seinen Augen blitzte es auf. Er wirkte dabei geerdet und zufrieden.

Der Pfälzer Kolibri...

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...auch Taubenschwänzchen genannt...


Bushcraft und Nachhaltigkeit

Zapf mich nicht an!

 

Dieser Artikel befasst sich mit den Begriffen der Abenteurer und meinem Verständnis dieser, sowie dem Wunsch nach einer Erweiterung des Umweltschutzgedankens auf die Szene. 

Es sind schon abenteuerliche Begriffe, die man beim ersten Kontakt mit der Szene kennenlernt. Durchsetzt mit Anglizismen braucht man entweder gute Sprachkenntnisse oder muss ein Übersetzungsprogramm wählen. Die Szene wächst und wird immer populärer. Der Wechsel der Begriffe mag dazu einen Teil beitragen, denn damit können auch Jugendliche angesprochen und neugierig werden. Es gibt einen Anstieg an Youtube-Videos und immer mehr Repräsentanten der Outdoorszene (Outdoor wird hier als Überbegriff verwendet) finden sich sogar in Dokus im Fernsehen wieder, vermarkten sich gut und werden so zu Marken, oft mit eigener Produktlinie. 

Die objektive Betrachtungsweise untermauert dies und den eigenen Eindruck des Zuwaches der Begeisterung für den Outdoorbereich, denn der Markt erweitert sich und die Umsätze steigen. 

Grundsätzlich ist dies alles zu begrüßen, bietet sich hier die Chance den Menschen für die Natur zu begeistern und ihn zu einem Bewahrer der unbewohnten Umwelt werden zu lassen. Konzentriert man sich allerdings nur auf sich selbst und die Anbahnung und Erweiterung seiner Survivalskills, liegt leider auch die Gefahr vor, sich der Natur zu entfremden, das eigene Nutzen ihrer Ressourcen höher zu bewerten, als ihre Unberührtheit und ihren Schutz.

 

In den gängigen Videos sowie in der Literatur werden viele Rezepte aus der Natur und die Möglichkeiten der Wassergewinnung beschrieben. Leider fehlt oft der Hinweis, dass dadurch große Schäden entstehen können. Vielleicht ist die selbstgerechte Denkweise, ich bin ja umweltbewusst, nehme immer meinen Müll mit und außerdem macht es ja nichts wenn ich alleine etwas von der gesunden (ach, so gesund sieht der Baum ja gar nicht aus!) Birke abschäle. Ich muss ja schließlich ein nachhaltiges Feuer, ohne Grillanzünder machen. Neben der Widersprüchlichkeit kommt hier vor allem das selbstgerechte Aufwerten (ich habe ja etwas Gutes getan, also darf ich mir wieder von der Natur nehmen) zu Tage, obwohl das Mitnehmen des eigenen Mülls selbstverständlich ist.

 

Ein Anwachsen der Bushcraftszene lässt somit ahnen, dass die Schäden an der Natur zunehmen werden („Ich habe da mal ein Video gesehen, wie man Birkenwasser abzapft. Lass uns das doch mal ausprobieren“). Denn eine Birke verträgt nunmal nur ein Abzapfen von max. drei Liter ihres Wassers. Man kann dabei nie wissen, ob nicht schon jemand an der Birke gezapft hat, deshalb verbietet sich dies eigentlich von selbst. Zudem können durch die Eintrittsöffnung des Bohrgegenstands, Parasiten in Form von Pilzen in den Baum eindringen. Das Totenglöcklein für die einst gesunde Birke wird so eingeläutet.

 

Ein weiterer Aspekt ist, das statt mit der Natur zu leben, sich einige Menschen immer noch über die Natur stellen, sie beherrschen und kontrollieren wollen. Das Bushcraftcamp wird hier zum Bushcrafthotel, mit allen Annehmlichkeiten und so hinterlässt der Bushcrafter seine Spuren, statt sich nahtlos in das Landschaftsbild einzufügen und Teil seiner Umwelt zu werden. In gängigen Foren sind diese Bauwunder zu betrachten. Größer, höher und komfortabler ist oft das Motto. Ob dies alles nur aus Totholz gebaut ist?

Natürlich trifft dies nur auf wenige zu, aber dennoch ist Aufklärung, um ein Leben mit der Natur zu führen, nötig. Die Natur einfach nur als günstigen Nahrungslieferant zu sehen ist vielleicht die falsche Sichtweise. Ein Trapper entnimmt nur das was er für sein eigenes Überleben benötigt. Er lebt mit der Natur.

Lieber so:-)

 

Statt so!


Insektenhotel -  Umweltschutz im Kleinen. Erst ein bisschen Rosmarin und dann ins Bett...


Bienenfresser in der Pfalz

Schöne Vögel, die leider nur ein paar Monate bei uns verweilen. Die Bienenfresser sind die farbenprächtigsten Vögel Europas und haben mehrere Brutkolonien in der Pfalz. Es macht Spaß den Vögeln bei ihrer Jagd nach Insekten, wie etwa Libellen zuzusehen. Diese werden dann an ihre Weibchen verfüttert. In wenigen Wochen folgt dann die Brut. Sie finden an einem Tümpel zum Glück genug Nahrung in Form von Libellen, Bienen und anderen Insekten. 

Tag der Umwelt 2017

Rund um Offenbach/Queich wurde die Natur vom Müll befreit. Bei der Sammelaktion wurde u.a. ein altes Fahrrad, ein komplettes Kaffeeservice und zig Flaschen gefunden und entsorgt.


Stunde der Wintervögel 2017

Bei - 4 Grad Celsius ging es raus in die Reiterwiesen bei Landau. Zu Beginn der Vogelbeobachtung waren gleich vier Rotkehlchen zu sehen, deren Rot in der Sonne schimmerte. Des Weiteren wurden je drei Wacholderdrosseln und Buchfinken, ein Buntspecht sowie 22 Saatkrähen gesichtet. Aufgrund der Temperaturen baute ich mir einen kleinen Schutzbehelf mit Bodenisolierung. Dabei durfte natürlich auch ein warmes Mittagessen nicht fehlen. Leider gibt es momentan nur wenige Standvögel zu beobachten. Die Gründe hierfür könnten in der Landwirtschaft liegen, die den Vögeln keine Nistplätze mehr bietet. Eine Lösung wären mehr Schutzhecken. Dort können die Vögel ihre Nistplätze beziehen.

 

Vogelbilder gibt es leider keine, da ich die ganze Zeit das Fernglas halten musste...


Gemeinsam gegen Gülle

Unsere Pilze in Gefahr durch Gülle? Einen Artikel der DGfM finden Sie hier:

 

https://www.dgfm-ev.de/wissenswertes/pilze-und-guelleduengung


Der Pilz des Jahres

Der Pilz des Jahres 2017 ist...

 

Das JUDASOHR!

 

Tatsächlich auch der erste Pilz, den wir im Februar 2017 im Schwarzwald gefunden haben. Er liebt den Hollerbusch und ist sogar im Winter anzutreffen. Getrocknet hält er sich lange und ist eine gute Beigabe zu einer Gemüsepfanne oder man gibt ihn in eine Suppe. Vielleicht habt ihr ihn ja schonmal im chinesischen Essen entdeckt. In China heißt er Mu-Err Pilz.